Unsere Hunde und Wir – Woche 13/2026

Habt Ihr auch schon gehört, daß man Hunde entsprechend ihrer Veranlagung auslasten muss? Glaubt ihr das?

Was bedeutet Auslastung eigentlich? Was ist Veranlagung? Fakt ist, alle Hund sind Jäger. Der eine zeigt es etwas deutlicher, als der Andere. Aber Jäger sind sie alle von Natur aus. Das ist grundsätzlich mal die Hauptveranlagung. Sollten sie also, entsprechend Ihrer Veranlagung jagen dürfen? Ich denke wir sind uns einig, schon hier muss man das Ganze etwas genauer betrachten. Denn unsere Hunde sind satt. Immer, denn sie bekommen ihr Futter von uns im Napf. Also hat die jagdliche Veranlagung nur noch eine Nebenrolle im Hundedasein. Damit aber der Text nicht unendlich lang wird, möchte ich alles etwas zusammenfassen.

Alle Hunde sind intelligent und wollen irgendwas zu tun haben. Jagen, daß haben wir je eben geklärt, ist somit keine notwendige Option mehr, den Tag sinnvoll zu gestalten. Da muss ich als Mensch demnach genau beobachten, welche Interessen mein Hund noch mitbringt und womit ich ihm wirklich eine Freude bereite und welche Beschäftigung damit sinnvoll für meinen Hund ist. Da ausgeglichene und gesunde erwachsene Hunde allgemein nur ca. 5 Stunden am Tag wach sind, ist der Aufwand für uns, unseren Hund artgerecht zu halten, schonmal zeitlich gar nicht so ein rießen Paket, wie man uns ab und an verkaufen möchte. Denn jede Zeit die unser Hund wach ist, zählt zu den 5 Stunden dazu. Auch die Zeit, die er uns beobachtet, wie wir in der Küche unser Abendbrot bereiten, die Zeit die er im Garten mit den Kindern spielt, natürlich die Gassirunden usw. Zählt doch einfach mal zusammen, wie lange Euer Hund am Tag wach ist! Ihr seid sicher erstaunt, was da alles zusammenkommt. Schläft ein Hund nämlich zu wenig, hat das Auswirkungen auf alle Lebenslagen und vor allem auf die Gesundheit.

Und das ist schon ein wichtiger Punkt in der Bewertung der Auslastung. Denn hat er zu viel um die Ohren, also zu wenig Schlafenszeit, braucht er nicht noch mehr Auslastung, um ruhiger zu werden, sondern mehr Ruhe, um nicht so aufgedreht zu sein. Wenn wir Menschen nur 4 Stunden jede Nacht schlafen dürften, währen wir am Ende der Woche nur noch ein Schatten unserer selbst. So ist der Hund, wenn er nur ca. 16 Stunden täglich schlafen kann.

Was tun Hunde in freier Wildbahn? Sie schlafen, sie suchen Nahrung, sie spielen mit ihren Artgenossen, so sie in einem Verband leben. Grundsätzlich genießen Sie ihr Leben, verwenden Unmengen an Zeit fürs Schnüffeln, chillen mal hier und mal da, fressen mal was, chillen wieder, Schnüffeln usw. Ja sie rennen auch mal ein wenig, toben, werfen mal ein Grasbüschel hoch, weil es gerade so cool ist. Aber grundsätzlich gehen sie den Tag entspannt und streßfrei an. Sie gehen Auseinandersetzungen aus dem Weg, es sei denn, es geht um Leben und Tod und das ist selten der Fall. Was ich damit sagen will. Unsere Welt ist um so vieles anstrengender, lauter und voller, als es die Welt der Hunde ist und darin müssen sie nun zurecht kommen. Die meisten Hunde die bei uns leben, brauchen nicht mehr Unterhaltung und Auslastung, sondern weniger und wenn, dann die Richtige.

Wer von Euch bleibt mal stehen, wenn der Hund ein besonders tolles Grasbüschel beschnüffelt. Wer von Euch folgt seinem Hund mal ein Stück weg vom Weg in den Wald und schaut, was er da gerade so tolles gefunden hat (natürlich nur, wenn es nicht etwas ekliges zu Fressen ist!!!)? Oder seid Ihr eher die Fraktion die Montags Agi, Dienstags Mantrailing usw. geplant hat? Macht das Euren Hund oder doch eher Euch glücklich? Oder glaubt ihr, 7km straffes Gehen macht Euren Hund glücklich. Da muss ich Euch enttäuschen. Nur wenige Rassen sind Langstreckenläufer und glücklich damit. Worauf es vor allem ankommt, ist das Miteinander in der Zeit in der unser Hund wach ist. Diese wache Zeit will er mit uns verbringen. Nur Gassi gehen ohne daß wir uns für seine Belange, also ihn interessieren, ist für den Hund so, als gehen wir nur mit, um ihm die Leine zu halten…Schafft eine gemeinsame Zeit!

Um den Bogen zur Ausgangsfrage zu schlagen. Auslastung bedeutet, man ist mit dem was der Tag geboten hat zufrieden und glücklich. Dann ist man müde und schläft gut. War nichts los, ist man noch ewig wach, hat tausend Dinge im Kopf, träumt dann womöglich noch jede Menge Blödsinn und wacht müde und kopflos am nächsten Morgen auf.

Mein Tipp an Euch. Beobachtet beim nächsten Gassi mal Euren Hund, zerrt ihn nicht einfach weiter, wenn er stehen bleibt. Lasst ihm Zeit, die gebotene Situation zu erfassen, zu beschnüffeln oder zu betrachten. Bietet ihm kleine Suchspieleinheiten unterwegs an. Setzt Euch einfach mal auf eine Bank und genießt die Sonnenstrahlen gemeinsam. Der Hund legt sich dazu hin? Wunderbar, dann gönnt ihm die Pause. Er will weiter, nicht schlimm, dann war die Ecke zum Entspannen nicht einladend genug. Die Strecke war wegen dem vielen Schnüffeln nur halb so lang in gleicher Zeit? Schauen wir, was daheim passiert. Daheim hat er sich sofort hingelegt? Dann war das Erlebte auf dem Spaziergang genug. Er dreht daheim erst nochmal kurz auf und legt sich dann erst hin. Prima, dann verarbeitet er gerade den Streß und die Eindrücke, die er vom Spaziergang mitgebracht hat und entspannt gleich. Er dreht noch lange nach dem Spaziergang auf? Dann war es heute wohl doch ein bisschen zu wenig Unterhaltung oder Strecke unterwegs. Dann schaut morgen nochmal genauer hin und überlegt Euch ein tolles Spiel , daß ihr zusätzlich machen könnt und geht etwas weiter. Nicht jeder Tag ist gleich. Manchmal möchte unser Hund etwas mehr Aktion und manchmal eher weniger. Aber wer genau hinschaut, wird es bald erkennen.

Ein Hund braucht aber keinen vollen Terminkalender mit Auslastungsideen. Er braucht genug Ruhe und die richtige Beschäftigung, die ihn gut schlafen läßt. Und er möchte seine Zeit mit uns verbringen. Deshalb – Genießt jede Minute, die er am Tag wach sein möchte! Und auch jede Minute, die er friedlich schlummert!

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