Unsere Hunde und Wir – Woche 21/2019

Der Mensch ist die schlimmste Bestie!

Gestern habe ich etwas erlebt, ich bin mir sicher, einer Vielzahl von Ihnen erging es irgendwann einmal genau so, daß muss man eigentlich nicht erleben. Aber, es ist nun mal passiert und ich möchte Ihnen unbedingt davon erzählen, um Mut zu machen und, daß eben auch ein Hundetrainer nicht alles vorhersehen und programmieren kann, was unsere Hunde so tun.

Habe ich eine Bestie?

Bei dem sagenhaften Wetterchen, daß wir gestern genießen durften, saßen wir gemütlich in einem Restaurant, die Hunde, 3 an der Zahl bei 3 Personen, angeleint neben uns. Ich saß mit dem Rücken zum Ausgang. Plötzlich erschienen 2 Hunde und wie von der Tarantel gestochen, sprang mein großer Hund auf und stürzte sich auf einen davon. Ich noch beschäftigt damit, warum ich die Leine ohne Hund in der Hand hielt und in größtmöglicher Eile, stand auf und lief hin, um meine Bestie einzufangen. Ob und wie genau mein Hund den anderen tatsächlich gebissen hat, habe ich nicht gesehen. Als ich nach dem Umdrehen meinen Hund im Blick hatte, lief er gerade von dem Hund um den Halter herum weg und wurde prompt von diesem heftigst mit dem Fuß getreten. Verdutzt sah mein Hund mich an. Diesen Blick werde ich wohl nie vergessen. Noch vor diesem Tritt, war die Situation für meinen Hund vorbei gewesen, was der Halter des anderen Hundes leider nicht erkannte und ich kann mit Glück sagen, daß mein Hund ein so großer Menschenfreund ist, daß sie den feigen Angriff des Menschen nicht durch einen Biss in seine Richtung bestraft hat, denn es hat mit Sicherheit sehr weh getan. Ich konnte meinen Hund problemlos anleinen. Beide Hunde waren ruhig und konnten wieder ohne jegliche Agression aus der Situation geführt werden. Ich möchte das wirlich nicht herunterspielen, aber es war einfach eine ganz dumme Situation und ein noch dummerer Zufall, daß das überhaupt passiert ist.

Es ist absolut nicht richtig, daß sich mein Hund auf den anderen Hund gestürzt hat. Woher kommt allerdings diese Agression? Nun dazu muss man wissen, daß die beiden Hunde eine jahrelange, für meinen Hund leider unangenehme Vorbeziehung hatten. Denn als die beiden Hunde noch klein waren, also vor mehr als 10 Jahren, begann der Terror für meinen Hund. Wir, immer angeleint oder in meiner Nähe, wurde mehrfach von den beiden anderen beim Gassigehen förmlich überrannt. Scheinbar aus dem Nichts kamen die 2 zu uns gelaufen und stürzten sich, damals in Spiellaune auf meine Leo. Vom Besitzer weit und breit nichts zu sehen. Immer höflich und nie ausfallend, denn so bin ich einfach nicht, habe ich damals versucht, auf eine Leine hinzuweisen und die Hunde nicht außer Sichtweite laufen zu lassen. Ich kann ja nicht garantieren, daß mein Hund sich diese Überfälle ewig ohne Wehren gefallen läßt. Damals die typische unwissende Antwort…Das klären die unter sich. Tja, ich habe es aufgegeben privat zu versuchen, Menschen über diese falsch überlieferten Verhaltensangebote an unsere Hund aufzuklären. Es ist wie laufen gegen eine Wand. Glauben Sie mir, diese Menschen glauben auch, daß Spinat starke Arme macht. Ein Hund an der Leine, sollte immer respektiert werden, der Hund ohne Leine, sollte dann nicht an diesen rangelassen werden. Es gibt verschiedenste Hintergründe, warum Hunde an der Leine sind, Jagen oder Krankheit zum Beispiel, um nur 2 zu nennen. Aber der Besitzer hatte ja keinerlei Einfluß, er war ja nicht in der Nähe. Er hat es nie gesehen! Wie Sie ja alle wissen, lernen Hunde mit nur einer schlechten Erfahrung und so lernte meine Leo sofort, wenn diese 2 um die Ecke kommen, kann mir Frauchen nicht mehr helfen, daß muss ich alleine regeln. Die Folge war, eine Furie an der Leine, wenn vor allem diese 2 und speziell Weibchen in unsere Nähe kamen. Gut 1 Jahr habe ich gebraucht, damit meine Hündin an den meisten Hunden ruhig vorbei geht. Unseren Todfeind haben wir leider nicht vergessen…

Ich betone nochmal, es war nicht richtig, was mein Hund gemacht hat und natürlich trifft auch mich eine gewisse Teilschuld. Nämlich die, daß mein Hund nicht ausreichend gesichert war. Aber aus mir unerfindlichen Gründen, hat der Karabiner sich geöffnet und mein Hund konnte ungehindert losstürmen. Das ist auch die einzige Schuld, die mich trifft. Denn ein Hund ist keine Maschine, an dem man auf Tastendruck Verhalten ein oder ausschalten kann. Ein Hund ist ein Lebewesen, daß sich Verhaltensweisen durch Lernen aneignet, wenn diese nötig sind. Und wie ich oben schon beschrieb, war es nötig, etwas zu lernen. Egal ob Hundetrainer oder nicht, auch meine Hunde machen Fehler, was meine Kompetenz in keiner Weise in Frage stellt. Im Gegenteil, ich behaupte nicht blasiert und egoistisch, ich könnte alles heilen, daß wäre schlicht gelogen.

Das eigentliche Problem an dieser ganzen schrecklichen Geschichte ist aber nicht die fasche Reaktion meines Hundes, wer wen zuerst mit den Zähnen erwischt hat, denn mehr war das Ganze nicht, sondern die darauffolgende Hasstirade, die ich abbekam. Ich möchte noch erwähnen, der andere Hund hatte leichte Bissverletzungen und auch meiner ging nicht ohne aus der Sache raus. Wenn man eine Videoanalyse machen könnte, würde man erkennen, daß mein Hund angestürmt kam und in imponierender Haltung den anderen Hund vertreiben wollte, dieser sich, da an der Leine, wehren musste und vermutlich ein Biss den anderen gab. Eher erstaunt, denn das war das erste Mal gewesen, daß mein Hund je durch Beißen abgewehrt wurde, hat mein Hund sich abgewendet und ist hinter den Besitzer des anderen Hundes gelaufen. Aber wer mal eine richtige Beißerei gesehen hat weiß, daß war keine! Die Hunde waren laut, und so schnell es begonnen hatte, war es vorbei, dann gab es noch den Tritt des Besitzers und damit war es vollends um meinen Hund geschehen. Und nun ging es los. Anstelle sich erstmal um den eigenen Hund zu kümmern und nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist, wurde ich beschimpft und beleidigt. Ich stand anfangs eher geschockt und sprachlos da. Und wer mich kennt, daß soll schon was heißen. Aber ich schämte mich für das Verhalten meines Hundes, versuchte auch eine klägliche Entschuldigung, die leider nicht durchkam, fragte nach dem Wohlergehen des Hundes, wollte dann, um den Beschimpfungen nicht ganz tonlos entgegenzustehen etwas erklären, nämlich das der Halter unter all den Beschimpfungen die Vorgeschichte nicht außer Acht lassen dürfe und sich der Karbiner der Leine ohne mein Zutun geöffnet hat, hatte aber keine Chance. Unter der Gürtellinie wurde ich zum Ziel seines Ärgers. Nun könnte man meinen, mein Hund, meine Verantwortung. Und ja, so ist es auch. Aber muss man dabei seine Menschlichkeit verlieren und sein Gegenüber ohne Unterlass und Grenzen beleidigen? Und weil das alles nicht schon schlimm genug war. Bekam ich ca. 1 Stunde später von dem Halter Besuch. Jeder andere hätte bereits ein wenig darüber nachgedacht, hätte vielleicht abgewogen, ob all das nicht ein wenig zu viel des Guten war. Den Hund in den Vordergrund gestellt. Sich vielleicht für die harten und unnötigen Worte entschuldigt, aber nein…er setzte sogar noch eine Drohung drauf. Wärend er wieder auf mich einschimpfte, schaute ich mir den eigenlich Leidtragenden an, seinen Hund. Ich konnte eine kleine Blutung erkennen, nicht mehr und nicht weniger. Der Hund schaute mich treu und in keinster Weise erniedrigend an. Ich hatte Mitleid mit dem Halter…es muss so unendlich schwer sein, sich selbst stets an erster Stelle behaupten zu müssen. Es muss so leicht sein, keinerlei Empathie für Tier und Mensch zu besitzen und sich nur auf sich selbst zu konzentrieren. Der Hund hatte die ganze Sache längst verdaut. Er konnte meinen Hund, der keine 2 Meter von ihm weglag, sicher riechen und hatte weder Flucht- noch Angriffsmotivation. Ich bin mir sicher, der Mensch, der Halter wird mich jedes Mal wenn wir uns sehen, für eine zumindest sehr lange Zeit in irgendeiner Form versuchen zu erniedrigen. Sei es durch Blicke, Worte oder provozierende Taten.

Man erkennt ein klares Muster zur Menschenwelt. Machen unsere Kinder irgendeinen Blödsinn, geht es sofort auf die Eltern zurück. Die schlechte Erziehung, gar ein schlechter Mensch soll die Ursache sein? Nicht für alles kann man die Eltern verantwortlich machen, denn unsere Kinder lernen durch Erfahrung in dieser Welt zurechtzukommen. Darauf haben Eltern wenig direkten Einfluß, sie können nur die Weichen legen. Ebenso beim Hund!

Das Fazit aus der Geschichte? Mein Hund kann manchmal einfach ein Arschloch sein. Und ja, ich habe meine Aufsichtspflicht verletzt. Aber die Hunde sind sicher darüber weg. Der Halter wurde zur Bestie und bleibt es vermutlich auch, obwohl er nicht mal das Opfer war. Was für eine Zeitverschwendung. Die Hunde haben es verstanden! Und was bedeutet das für die Halter, deren Hunde angegriffen haben. Schämen Sie sich dafür, aber bitte verurteilen Sie sich nicht! Sie haben Verhalten nur bis zu einem lenkbaren Teil im Griff. Alles andere ist und bleibt Sache des Individuums Hund, ein Lebewesen mit eigenen Gedanken und Taten, keine Maschiene.

Damit konnte nun auch ich meine Gedanken zu diesem Vorfall erklären und hoffentlich all jenen Mut machen, die eine ähnliche Situation erleben mussten. Danke für Ihre Zeit!

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